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Lächerlich

Leserbrief von Hans-Werner Sinn, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.04.2009, Nr. 15, S. 30

WIRTSCHAFT Zu „Die Ökonomen in der Sinnkrise" von Lisa Nienhans und Christian Siedenbiedel (5. April):

Manche Journalisten sollten sich lieber einmal an die eigene Nase fassen, anstatt auf den Ökonomen herumzuhacken. Ich habe in einer Reihe von wissenschaftlichen Publikationen vor einer zu laschen Eigenkapitalregulierung der Banken gewarnt und mit Nachdruck auf die Gefahr hingewiesen, dass die Banken viel zu riskante Geschäfte betreiben. Nun kommt von der F.A.S. der Vorwurf, wir Ökonomen hätten nicht laut genug gerufen. Das ist, mit Verlaub, lächerlich. Meine Thesen haben im Jahr 2003 in der Fachzeitschrift „Finanzarchiv" eine Diskussion losgetreten. Schon bei der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik 2001 habe ich vor der versammelten Presse einen Plenumsvortrag zum „Lemon-Banking" gehalten. In den Perspektiven der Wirtschaftspolitik des Jahres 2002 habe ich meine Warnungen in Form eines populärwissenschaftlichen Artikels veröffentlicht. Diese Zeitschrift des Fachverbandes der deutschen Volkswirte wurde eigens gegründet, um den Journalisten und der interessierten Öffentlichkeit ökonomische Erkenntnisse ohne die Verwendung eines Fachjargons nahezubringen. Hinzu kommen verschiedene ifo-Standpunkte, die in Form von Pressemitteilungen versandt wurden. Und schließlich gab es Dutzende von öffentlichen Vorträgen mit Warnungen vor der amerikanischen Blase, an denen auch Journalisten teilnahmen. Nein, den Schuh, den Sie mir verpassen wollen, ziehe ich mir nicht an. Das Problem ist nicht, dass Ökonomen nicht gewarnt haben, sondern dass die Journalisten über ein selektives Gehör verfügen, das unterdrückt, was sie nicht für tagesaktuell halten.

Hans-Werner Sinn, Professor für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft, LMU München, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung

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