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Auf hohem Niveau

Presseartikel von Hans-Werner Sinn, Arbeit und Arbeitsrecht, 03/2008, S. 129

Die Konjunktur verliert an Dynamik

Die Weltwirtschaft zeigte sich im Jahr 2007 robust. Das Bruttoinlandsprodukt legte im Spannungsfeld einer aussichtsreichen Ertragslage der Unternehmen, einer verbesserten Situation am Arbeitsmarkt, einer höheren Inflation sowie erneut stark anziehender Ölpreise verhaltener zu als noch vor einem Jahr.

In den USA hat das reale Bruttoinlandsprodukt 2007 um 2,2% zugenommen. Maßgeblich hierfür waren der private Konsum und die Exporte, die vom deutlichen Wertverlust des US-Dollar profitierten. Die Bauinvestitionen hingegen sanken im Gefolge der US-Immobilienkrise erneut sehr kräftig. Für 2008 wird daher mit „nur“ 2% gerechnet.

Japan erreichte 2007 ein Wachstum von 2,1%, für 2008 werden 1,7% erwartet. In China hingegen hat sich das Wachstum im Jahr 2007 mit einem Plus von 11,4% noch einmal verstärkt, 2008 wird es auf 9,5% zurückgehen. In den weiteren ostasiatischen Schwellenländern war die konjunkturelle Entwicklung dynamisch. Sie wird auch 2008 anhalten.

In Lateinamerika war die Dynamik der konjunkturellen Entwicklung 2007 weiterhin hoch, wenn auch in einigen wichtigen Volkswirtschaften das Bruttoinlandsprodukt nicht mehr mit den hohen Raten der Vorjahre expandierte. Nach 5% im Jahr 2007 sind für dieses Jahr 4,5% Wachstum zu erwarten. Insgesamt profitieren die großen Volkswirtschaften der Region als Nettorohstoff- sowie Nettolebensmittelexporteure von dem kräftigen Anstieg der Energie- und Rohstoff- sowie der Lebensmittelpreise.

Im gesamten Jahr 2007 stieg das Bruttoinlandsprodukt in der alten EU (einschl. Slowenien) um 2,7% und in der EU27 um 2,9%. Der Konsum expandierte vor dem Hintergrund der günstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt lebhaft. Die Investitionen legten nach einer vorübergehenden Stagnation zu. In den neuen EU-Mitgliedsländern legte das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorjahr um rund 6% zu.

In Deutschland hat das reale Bruttoinlandsprodukt 2007 um 2,5% zugenommen. In den ersten beiden Quartalen 2007 ist das Expansionstempo, nicht zuletzt aufgrund der dämpfenden Effekte der kräftigen Mehrwertsteuererhöhung, etwas schwächer gewesen.

Die günstige konjunkturelle Entwicklung hat sich deutlich am Arbeitsmarkt ausgewirkt. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag im Dezember um 588.000 oder 2,2% höher als im selben Monat des Vorjahrs. Die Arbeitslosigkeit ist 2007 weiter kräftig gesunken. Der Anstieg der Lebenshaltungskosten hat sich durch die kräftige Anhebung der Mehrwertsteuer, den Höhenflug der Rohölpreise und die Verteuerung von wichtigen Grundnahrungsmitteln spürbar beschleunigt.

Insgesamt sind für 2008 1,8% Wachstum zu erwarten. Insbesondere auf dem Arbeitsmarkt wird sich die sehr positive Entwicklung des Vorjahres nicht fortsetzen. Vor allem die neuen Mindestlohnvorschriften werden die Arbeitsmarktchancen der gering Qualifizierten erneut verschlechtern.

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Harald Schultz

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