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Einmalige Party

Presseartikel von Hans-Werner Sinn, Wirtschaftswoche, 28.08.2006, Nr. 35, S. 138

Hans-Werner Sinn über unbekannte Geburtenziffern

Das deutsche Volk schrumpft am schnellsten von allen Völkern und weiß es nicht. Die Schrumpfungsrate der in Deutschland ansässigen Bevölkerung, ohne Berücksichtigung der Migration, lag in den Jahren 2000 bis 2005 bei durchschnittlich 0,18 Prozent, der höchste Wert aller westlichen Länder. Berücksichtigt man die Migration, so wird aus dem Rückgang zwar ein leichter Zuwachs von 0,09 Prozent pro Jahr, aber auch dieser Wert ist der niedrigste unter allen westlichen Ländern.

Die Ursache dafür liegt nicht in einer hohen Sterberate, sondern einer extrem niedrigen Geburtenrate. Mit nur 8,5 Neugeborenen pro 1000 Einwohnern und Jahr ist Deutschland das Schlusslicht in der OECD-Geburtenstatistik. In keinem westlichen Volk werden relativ zu seiner Größe weniger Kinder geboren als in Deutschland.

Die Deutschen wissen dies nicht, weil sie die Geburtenstatistiken falsch interpretieren. Sie lassen sich durch die sogenannten Fertilitätsraten blenden. In Deutschland hatte eine Frau im Jahr 2004 durchschnittlich 1,37 Kinder. Das war zwar 0,71 weniger als die 2,08 Kinder, die zum Erhalt der Bevölkerungszahl notwendig sind. Aber in Italien und Spanien lag der Durchschnitt noch niedriger, nämlich bei 1,33 beziehungsweise 1,32 Kindern, und Japan kommt sogar nur auf 1,29 Kinder.

Wirtschaftswoche, 28.08.2006, Nr. 35, S. 138

 

Das deutsche Volk schrumpft am schnellsten von allen Völkern und weiß es nicht. Die Schrumpfungsrate der in Deutschland ansässigen Bevölkerung, ohne Berücksichtigung der Migration, lag in den Jahren 2000 bis 2005 bei durchschnittlich 0,18 Prozent, der höchste Wert aller westlichen Länder. Berücksichtigt man die Migration, so wird aus dem Rückgang zwar ein leichter Zuwachs von 0,09 Prozent pro Jahr, aber auch dieser Wert ist der niedrigste unter allen westlichen Ländern.

Die Ursache dafür liegt nicht in einer hohen Sterberate, sondern einer extrem niedrigen Geburtenrate. Mit nur 8,5 Neugeborenen pro 1000 Einwohnern und Jahr ist Deutschland das Schlusslicht in der OECD-Geburtenstatistik. In keinem westlichen Volk werden relativ zu seiner Größe weniger Kinder geboren als in Deutschland.

Die Deutschen wissen dies nicht, weil sie die Geburtenstatistiken falsch interpretieren. Sie lassen sich durch die sogenannten Fertilitätsraten blenden. In Deutschland hatte eine Frau im Jahr 2004 durchschnittlich 1,37 Kinder. Das war zwar 0,71 weniger als die 2,08 Kinder, die zum Erhalt der Bevölkerungszahl notwendig sind. Aber in Italien und Spanien lag der Durchschnitt noch niedriger, nämlich bei 1,33 beziehungsweise 1,32 Kindern, und Japan kommt sogar nur auf 1,29 Kinder.

irtschaftswoche, 28.08.2006, Nr. 35, S. 138

 

Das deutsche Volk schrumpft am schnellsten von allen Völkern und weiß es nicht. Die Schrumpfungsrate der in Deutschland ansässigen Bevölkerung, ohne Berücksichtigung der Migration, lag in den Jahren 2000 bis 2005 bei durchschnittlich 0,18 Prozent, der höchste Wert aller westlichen Länder. Berücksichtigt man die Migration, so wird aus dem Rückgang zwar ein leichter Zuwachs von 0,09 Prozent pro Jahr, aber auch dieser Wert ist der niedrigste unter allen westlichen Ländern.

Die Ursache dafür liegt nicht in einer hohen Sterberate, sondern einer extrem niedrigen Geburtenrate. Mit nur 8,5 Neugeborenen pro 1000 Einwohnern und Jahr ist Deutschland das Schlusslicht in der OECD-Geburtenstatistik. In keinem westlichen Volk werden relativ zu seiner Größe weniger Kinder geboren als in Deutschland.

Die Deutschen wissen dies nicht, weil sie die Geburtenstatistiken falsch interpretieren. Sie lassen sich durch die sogenannten Fertilitätsraten blenden. In Deutschland hatte eine Frau im Jahr 2004 durchschnittlich 1,37 Kinder. Das war zwar 0,71 weniger als die 2,08 Kinder, die zum Erhalt der Bevölkerungszahl notwendig sind. Aber in Italien und Spanien lag der Durchschnitt noch niedriger, nämlich bei 1,33 beziehungsweise 1,32 Kindern, und Japan kommt sogar nur auf 1,29 Kinder.

Wirtschaftswoche, 28.08.2006, Nr. 35, S. 138

 

Das deutsche Volk schrumpft am schnellsten von allen Völkern und weiß es nicht. Die Schrumpfungsrate der in Deutschland ansässigen Bevölkerung, ohne Berücksichtigung der Migration, lag in den Jahren 2000 bis 2005 bei durchschnittlich 0,18 Prozent, der höchste Wert aller westlichen Länder. Berücksichtigt man die Migration, so wird aus dem Rückgang zwar ein leichter Zuwachs von 0,09 Prozent pro Jahr, aber auch dieser Wert ist der niedrigste unter allen westlichen Ländern.

Die Ursache dafür liegt nicht in einer hohen Sterberate, sondern einer extrem niedrigen Geburtenrate. Mit nur 8,5 Neugeborenen pro 1000 Einwohnern und Jahr ist Deutschland das Schlusslicht in der OECD-Geburtenstatistik. In keinem westlichen Volk werden relativ zu seiner Größe weniger Kinder geboren als in Deutschland.

Die Deutschen wissen dies nicht, weil sie die Geburtenstatistiken falsch interpretieren. Sie lassen sich durch die sogenannten Fertilitätsraten blenden. In Deutschland hatte eine Frau im Jahr 2004 durchschnittlich 1,37 Kinder. Das war zwar 0,71 weniger als die 2,08 Kinder, die zum Erhalt der Bevölkerungszahl notwendig sind. Aber in Italien und Spanien lag der Durchschnitt noch niedriger, nämlich bei 1,33 beziehungsweise 1,32 Kindern, und Japan kommt sogar nur auf 1,29 Kinder.

Die Fertilitätsrate misst aber nicht, wie viel Kinder jedes Jahr geboren werden, sondern nur, wie viele Kinder eine Frau hat. Die Bevölkerungszahl in Deutschland schrumpft nicht nur deshalb so schnell, weil die deutschen Frauen nicht gebärfreudig sind, sondern auch, weil es nur noch wenige Frauen im gebärfähigen Alter gibt. Hierzulande begann nämlich die Fertilitätsrate bereits in den frühen Siebzigerjahren zu fallen, eher als anderswo. In Italien setzte der Prozess etwa sieben Jahre danach ein, und in Spanien vergingen nochmals vier Jahre, bis auch dort die Fertilitätsrate sank. Die deutschen Babyboomer, die Mitte der Sechzigerjahre geboren wurden, sind heute schon über 40, und die Gruppe der 30Jahrigen, die Mitte der Siebzigerjahre geboren wurde, ist bald um die Hälfte dünner besetzt. Die Kombination aus einem sehr niedrigen Anteil von Frauen im gebärfähigen Alter und einer ebenfalls sehr niedrigen Geburtenzahl pro Frau ist in dieser Form einzigartig auf der Welt Sie erklärt die deutsche Schwindsucht.

Natürlich ist dieses Bild nur eine Momentaufnahme, ähnlich wie die Wachstumsrate einer Volkswirtschaft auch nur die momentane Dynamik des betrachteten Jahres darstellt In einigen Jahren könnten andere Völker schneller schrumpfen als wir. Italien und Spanien gehören zur Gruppe jener Länder, an die Deutschland seinen unrühmlichen Rekord vermutlich abgeben wird. Aber heute schrumpfen wir nun mal schneller als die anderen.

Über die Gründe, warum der Rückgang bei uns zuerst einsetzte, kann man nur spekulieren. Viele Erklärungen bieten sich an. Eine nahe liegende Erklärung ist, dass die Antibabypille in Deutschland früher als anderswo Verbreitung fand. Eine zweite ist die 68er-Revolution, die eine Abkehr von den traditionellen Werten der Gesellschaft, im Hinblick auf die Rolle der Frau und der Familie zur Folge hatte. Die Revolution fand zwar auch in Frankreich statt, aber die Franzosen tun extrem viel für Familien mit jungen Kindern, sodass dieser Effekt nicht so durchschlagen konnte.

Eine dritte Erklärung liegt in der deutschen Geschichte: Von den verlorenen Kriegen demoralisiert haben die Deutschen den Glauben an sich und ihre Zukunft verloren. Zugegeben, dies klingt wenig schmeichelhaft. Bedenkt man aber, dass auch die Kriegsverlierer Italien und Japan sowie das ehemals faschistische und vom Bürgerkrieg ausgezehrte Spanien zu den Schlusslichtem der Geburtenstatistiken gehören, so kann man auch hier einen gewissen Effekt vermuten.

Eine vierte Erklärung ist die Rentenversicherung, denn sie sozialisiert die Früchte der Investition in die eigenen Kinder, weil sie die Beiträge, die diese Kinder als Erwachsene zur Versorgung der Alten zur Verfügung stellen; unter allen alten Menschen, auch den Eltern anderer Kinder und den Kinderlosen, verteilt. Da Deutschland die Rentenversicherung erfunden und früher als andere eingeführt hat, wundert es nicht, dass die Menschen hier eher als anderswo gelernt haben, dass man besser fährt, wenn man sich im Alter von den Kindern anderer Leute ernähren lässt, anstatt selbst Kinder großzuziehen.

Der Weg in die Kinderlosigkeit ist vorübergehend recht angenehm für ein Volk. Die Kraft der Frauen wird für die Erzeugung von Markteinkommen verwendet, und der Lebensstandard vervielfacht sich. Mit zwei Einkommen und ohne Kinder ist das Pro-Kopf-Einkommen fünfmal so hoch wie mit einem Einkommen und drei Kindern. Die Investition in die Zukunft der Gesellschaft, die die Erziehung von Kindern bedeutet, weicht dem Gegenwartskonsum. Hinzu tritt die Genugtuung jener Frauen, die sich nun endlich vom Joch der Mutterschaft befreit fühlen und den Rollenwechsel in die Erwerbsarbeit als Selbstverwirklichung verstehen. Die große Party kann steigen.

Freilich kann sich ein Volk eine solche Party nur einmal leisten. Danach muss die Zeche bezahlt werden, und Katerstimmung ist angesagt. Rentenkrise, Altersarmut und wirtschaftliche Stagnation sind die unvermeidbaren Konsequenzen einer abnehmenden Kinderzahl. Das neue deutsche Gesellschaftsmodell hat in diesem Land zwar viele Befürworter, aber keinen Bestand. Die Evolution und Selektion der Gesellschaftsmodelle ist weltweit in vollem Gang, und schon heute ist absehbar, dass das deutsche Modell mit den Deutschen sterben wird. Befindlichkeiten und ideologische Prädispositionen können daran nichts ändern.

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