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Das muß sofort getan werden!

Presseartikel von Hans-Werner Sinn, Bild-Zeitung, 01.03.2005, 2

Von PROF. HANS-WERNER SINN*

München - Die Lage am Arbeitsmarkt wird immer katastrophaler, immer mehr Menschen suchen dringend einen Job! Was ist zu tun, um die elende Massenarbeitslosigkeit zu besiegen?
In BILD sagt Top-Ökonom Prof. Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, wie wir das Problem in den Griff kriegen.

1. Wir müssen wieder mehr arbeiten!
Unsere Arbeit ist zu teuer, sie muß günstiger werden. Das bedeutet, daß es kein Tabu sein darf, für das gleiche Geld länger zu arbeiten! Wenn wir uns nicht von alten Ansprüchen lösen, fallen wir im internationalen Vergleich weiter zurück.

2. Kein blindwütiger Stellenabbau!
Wer nur an die Gewinne denkt, denkt zu kurz. Stellenabbau senkt schnell die Kosten, ist aber nicht die beste Lösung. Rausschmiß ist phantasielos! Besser sind kreative Lösungen mit dem Betriebsrat - damit am Ende nicht das Betriebsklima und damit die Motivation auf der Strecke bleibt.

3. Gewerkschafter, springt über Euren Schatten!
Bremser und Beton-Kartelle haben keine Zukunft mehr. Grundsätzlich gilt: Abweichungen vom Tarifvertrag vernichten keine Jobs, sondern retten sie!

4. Hartz IV reicht nicht!
Unser Staat muß arbeitslos gewordene Geringverdiener noch stärker anregen, sich wieder um einen Job zu bemühen! Deshalb brauchen wir eine deutliche Ausweitung der Zuverdienstmöglichkeiten beim Arbeitslosengeld II. Wer diesen Extraverdienst nicht wahrnehmen will, sollte seiner Stadt oder Gemeinde acht Stunden pro Tag als Ein-Euro-Jobber zur Verfügung stehen.

5 Gebt Älteren wieder eine Chance!
Es ist ein Skandal, wenn über 55-Jährige ausgemustert werden wie Ausschußware. Neben dem Vorruhestand und der Weiterbeschäftigung mit hohem Einkommen muß es einen dritten Weg geben - z.B. eine freie Hinzuverdienst-Möglichkeit im Alter bei fairen Rentenabschlägen.

6. Steuern runter!
Es ist absurd, dem normalen Arbeitnehmer 64 Prozent der Früchte einer zusätzlichen Arbeitsanstrengung über Steuern und Sozialabgaben wegzunehmen. Das ist Gift für die Motivation und ein Turbo für die Schwarzarbeit.

7. Schluß mit der "Politik der ruhigen Hand"!
Die Regierung muß jetzt mutig weiter reformieren. Aussitzen und abwarten hilft niemandem! Die Politiker müssen den Bürgern offen sagen, daß es hart werden kann, bevor es mit der Wirtschaft wieder bergauf geht. Denn: Nur Wahrheit schafft Vertrauen.

* Präsident des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo)

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Harald Schultz

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