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Die Wahrheit über deutsche Beamte

Presseartikel von Hans-Werner Sinn, Bild-Zeitung, 06.10.2004, 2

von Prof. Hans Werner Sinn

Beamte sollen künftig stärker nach Leistung bezahlt werden - aber sind unsere Staatsdiener wirklich zu faul? In BILD räumt der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Prof. Hans- Werner Sinn. Präsident des lfo-Instituts, mit uralten Vorurteilen auf!

Staatsdiener arbeiten sogar mehr!

Die tarifliche Arbeitszeit der Arbeiter und Angestellten im öffentlichen Dienst liegt mit 1708 Stunden pro Jahr im Schnitt 3,5 % über der Arbeitszeit in der Privatwirtschaft beschäftigter Arbeitnehmer (1649 Stunden). Beamte arbeiten sogar bis zu 12 % länger als die Beschäftigten in der privaten Wirtschaft!

Staatsdiener verdienen weniger!

Die Bruttolöhne und Gehälter der Staatsbediensteten lagen Mitte 2003 trotz der längeren Arbeitszeiten im Schnitt 5,5 % unter den Werten der privaten Wirtschaft - obwohl sie im Schnitt über eine höhere Qulifikation verfügen müssen

Deutschland hat eher wenig Beamte!

In Deutschland sind nur 12,5 % aller Arbeitnehmer Staatsdiener, im Vergleich ist das wenig. In Dänemark und Schweden arbeitet ein Drittel beim Staat, in Großbritannien 22 %‚ selbst in den USA sind es 16 %. Unter den entwickelten OECD-Ländern liegen wir da mit auf einem der letzten Plätze. Außerdem arbeiten deutsche Behörden im internationalen Vergleich vorbildlich effizient.

Nicht alle Staatsdiener sind Beamte!

Nur etwa ein Drittel sind Beamte und Richter mit vollem Kündigungsschutz. Zwei Drittel sind Angestellte und Arbeiter, die dem normalen Tarifrecht unterworfen sind. Der Kündigungsschutz vieler privatbeschäftigter Arbeitnehmer ist heute fast so hoch wie jener der Beamten. Wer fünfzehn Jahre beschäftigt war, ist kaum noch kündbar.

Beamte dürfen nicht streiken!

Beamte können nicht streiken, sind dem Staat per Eid zur Treue verpflichtet. Sie können jederzeit an einen anderen Ort versetzt werden, wo sie gebraucht werden. Sie stellen eine immer verfügbare, verläßliche Basis des Staatswesens dar, die auch in schwierigsten Zeiten Stabilität garantiert. Richter und Polizisten sind zum Beispiel Beamte, weil sie unabhängig und unbestechlich sein müssen.

Auch Beamte müssen für soziale Absicherung zahlen!

Daß Beamte begünstigt sind, weil sie keine Sozialabgaben zahlen, ist ein Märchen. Bei den Nettogehältern sind Beamte nicht besser gestellt als gleich gut qualifizierte Beschäftigte der Privatwirtschaft. Weil der Staat die Vorsorgeaufwendungen direkt übernimmt, zahlt er von vornherein ein niedrigeres Bruttogehalt.

Fazit: Beamte sind billiger und fleißiger als ihr Ruf. Seien wir froh, daß wir sie haben...

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