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So ist Deutschland noch zu retten

Presseartikel von Hans-Werner Sinn, BILD-Zeitung, 22.04.2004, 2

Unser klügster Wirtschaftsprofessor weist Wege aus der Krise

Deutschlands Versuch, soziale Ziele gegen die Regeln der Marktwirtschaft durchzusetzen, ist gescheitert! Falsche politische Weichenstellungen, die zum Teil schon 30 Jahre zurückliegen, haben unser Land in eine schwere Strukturkrise geführt. Um Deutschlands Position als führende Wirtschaftsnation zu retten, bedarf es grundlegender Reformen.

Neue Arbeitszeiten
Zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit müssen die Stundenlöhne fallen. Dies wäre erreichbar, wenn die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich um 10 Prozent verlängert wird. Pro Woche müssten es wieder wie vor 20 Jahren 42 statt 38 Stunden sein. Dann würden wir etwa so viel wie die Italiener und immer noch weniger als die Briten oder Iren arbeiten. Trotzdem hätten wir noch höhere Lohneinkommen als sie.

Neue Tarifpolitik
Die Gewerkschaften haben ihre Verhandlungsvollmacht benutzt, um Lohnkartelle gegenüber den Arbeitgebern durchzusetzen. Durch das Erzwingen nicht marktgerechter Löhne haben sie Arbeitslosigkeit erzeugt. Ein Unternehmen muss die Preise und Löhne von Konkurrenten unterbieten dürfen, wenn die Belegschaft dies will. Per Gesetz verordnete Öffnungsklauseln in Tarifverträgen sind eine akut erforderliche Notmaßnahme zur Abwendung größeren Unglücks. Der gesetzliche Kündigungsschutz hat die Arbeitsplatzsicherheit verringert und sollte für alle Betriebe abgeschafft werden, allerdings nur für neue Arbeitsverhältnisse. Das wird zur Lohnmäßigung und der Schaffung von Arbeitsplätzen führen.

Neue Sozialhilfe
Der Lohnersatz in Form von Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Sozialhilfe und Frührente ist der Hauptgrund dafür, dass der Arbeitsmarkt nicht funktioniert. Es muss weniger staatliches Geld fürs Nichtstun geben und mehr fürs Mitmachen. So sollten arbeitsfähige Personen, die nicht arbeiten, ein Drittel weniger Sozialhilfe bekommen, und Geringverdiener, die einen Job annehmen, mehr Geld bekommen.

Neue Zuwanderungsregeln
Die Zuwanderung von EU-Bürgern sollte nicht beschränkt, aber auch nicht durch Wanderungsprämien belohnt werden. Steuerfinanziertes Wohngeld, freier Bezug von Sozialwohnungen, Kindergeld für Kinder im Ausland und Ähnliches gehören zu den Posten, die man streichen muss.

Neue Steuerreform
Wir brauchen die Einfachsteuer mit den vier Sätzen 0, 15, 25 und 35 Prozent. Kapitalerträge sollten mit 20 %, Unternehmensgewinne einheitlich mit 35 % belastet werden. Gleichzeitig müssen die Subventionen radikal gekürzt werden.

Neue Familienpolitik
Wir brauchen mehr Kinder, um für unser Land die Zukunft wieder zurückzubringen. Vorbild ist Frankreich mit einem perfekten System an Ganztagseinrichtungen und Kindersplitting bei der Steuer. Für zweite und dritte Kinder gibt es massive finanzielle Anreize, die das Nettoeinkommen viel stärker als bei uns erhöhen. Eltern sollten außerdem durch eine Zusatzrente pro Kind belohnt werden. Mehr Kinder heißt mehr Renten und mehr Zukunft.

Mein Fazit: Nur wenn wir eine schmerzhafte Behandlung einleiten, wird der Patient Deutschland wieder auf die Beine kommen!

Cover: Ist Deutschland noch zu retten? von Hans-Werner Sinn; München, Econ-Verlag: 2003

CORINE Buchpreis 2004 - Foto der Statue

Wirtschaftsbuchpreis 2003 - Foto der Statue

CORINE Wirtschaftsbuchpreis 2004

Hans-Werner Sinn: Ist Deutschland noch zu retten?

 

München, ECON-Verlag, 8. Auflage Dez. 2004

 

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