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Wir sind nicht fit für die Erweiterung

Presseartikel von Hans-Werner Sinn, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2002, 13

Die wirtschaftlichen Folgen der Ost-Erweiterung

Deutschland ist nicht fit für den Beitritt der neuen EU-Mitgliedstaaten. Damit er wirtschaftliche Vorteile auch für uns bringen kann, müssen wir wettbewerbsfähig bleiben. Dazu muß der Arbeitsmarkt mit einer stärkeren Lohnspreizung auf die neue Konkurrenz aus dem Osten reagieren können. Das geht beim derzeitigen System der Tarifverhandlungen und beim derzeitigen, auf Lohnersatzleistungen aufgebauten Sozialsystem nicht. Folglich wird es bei uns zu erheblichen Verdrängungseffekten und Verwerfungen in der Wirtschaftsstruktur kommen. Niedriglohnkonkurrenz aus dem Osten wird in Deutschland Arbeitsplätze vernichten, Zuwandernde werden Einheimische aus Arbeitsplätzen verdrängen, und Investitionskapital wird in die Niedriglohngebiete im Osten abwandern. Wenn wir den Prozeß aufzuhalten versuchen, indem wir die Wanderung beschränken, intensivieren wir die Kapitalabwanderung und die Niedriglohnkonkurrenz. Die Ost-Erweiterung trifft Deutschland zu einer Zeit, in der das Land seine Wettbewerbsfähigkeit ohnehin schon verliert. Wenn wir jetzt nicht radikale marktwirtschaftliche Reformen durchführen, wird die Ost-Erweiterung für uns zu einem großen Problem werden. Wenn wir die Arbeitsmärkte flexibilisieren, wird die Ost-Erweiterung auch eine Erfolgsstory für uns.

HANS-WERNER SINN

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