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Wir haben fast alle gegen uns

Interview mit Hans-Werner Sinn, Thüringer Allgemeine, 24.12.2010, Nr. 307, S. 1

Im TA-Gespräch: Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener Ifo-Instituts, zur Euro-Stabilität

Halten Sie die Einführung des Euro für gut und richtig?

Nicht mit den südlichen Ländern. Es war ein großer Fehler, diese Länder mitmachen zu lassen, weil sie wirtschaftlich und institutionell noch nicht weit genug entwickelt sind.

Aber da kann man jetzt wohl nichts mehr machen?

Rückgängig machen kann man das nicht. Den Euro in einen Nord- und Süd-Euro zu trennen würde eine Spekulationswelle gegen die südlichen Länder in Gang setzen, die die Bankensysteme dieser Länder beschädigen würde.

Relativieren Sie ihr mildes Urteil über die Anfangsschwierigkeiten des Euro?

Nein. Ich hoffe, dass sich der Euro stabilisiert und dass Europa neue Schuldenregeln findet, die langfristig mehr Stabilität bringen. Unter einem günstigen Szenario betrachtet ist diese Krise nur eine anfängliche Schwierigkeit. Die Krise führt zu Reformen, die das System stabiler machen, und es pendelt sich ein neues Gleichgewicht ein. Es hängt aber alles davon ab, wie die Reformen im Einzelnen durchgeführt werden.

Sie haben die Kanzlerin schon aufgefordert, auch mal einen Gipfel platzen zu lassen. Sind Sie mit dem deutschen Kurs zufrieden?

Mit dem Ergebnis bin ich nicht zufrieden, aber ich tue mich auch schwer, die Regierung, die ihr Möglichstes versucht hat, zu verdammen. Deutschland steht in dieser Frage ja doch ziemlich allein und traut sich nicht, diese isolierte Position bis zur Konsequenz des Scheiterns eines Gipfels durchzustehen. Wir müssen keine Kompromisse mit den Ländern über das Geld schließen, das wir ihnen geben.

Was halten Sie an den Brüsseler Beschlüssen zur Euro-Stabilisierung für falsch?

Es ist falsch, Rettungspakete zu beschließen, ohne die Banken an den Lasten zu beteiligen. Es war auch falsch, die Forderung aufzugeben, die auf drei Jahre begrenzte Zweckgesellschaft in Luxemburg nicht zu verlängern.

Gespräch: Ralf Müller
Hans -Werner Sinn (62), Chef des Münchener Ifo-Institutes , ist mit dem Euro-Kurs der Bundesregierung ganz und gar nicht zufrieden.

Nürnberger Zeitung, 23.12.2010
Stuttgarter Nachrichten, 23.12.2010
Weser Kurier, 23.12.2010

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