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Interview mit Hans-Werner Sinn

Interview mit Hans-Werner Sinn, Recklinghäuser Zeitung, 15.01.2009, S. 2

Die deutsche Wirtschaft bricht ein. Wird dieses Jahr ein schwarzes Jahr?

2009 wird ein äußerst schwieriges Jahr, die schärfste Rezession der Nachkriegsgeschichte. Wir prognostizieren, dass die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 2,2 Prozent schrumpft, und zwar mit dem Konjunkturpaket der Bundesregierung. Das wird sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Durch die vereinbarten Maßnahmen wird der Stellenabbau um etwa 250 000 kleiner werden als es sonst der Fall gewesen wäre, aber dennoch werden in einem Jahr etwa eine halbe Million zusätzlicher Arbeitsloser zu beklagen sein.

Ist das Konjunkturpaket ausgewogen, richtig und konsequent?

Die Richtung stimmt im Großen und Ganzen. Dass jetzt massiv in die öffentliche Infrastruktur investiert wird, ist konsequent. Hier liegt der wichtigste Hebel zur Stärkung der Wirtschaft. Die Bauinvestitionen werden nämlich zunächst einbrechen. Erst danach wird der Konsum folgen. Im Übrigen: Infrastrukturmaßnahmen haben auch langfristig positive Effekte für die Wirtschaft.

Gibt es Maßnahmen im Paket, die verfehlt oder überflüssig sind?

Nehmen Sie den Rettungsschirm für Firmen. Das ist äußerst problematisch. Natürlich gibt es Schwierigkeiten bei der Kreditversorgung von Großunternehmen. Aber ein neuer Rettungsschirm für Unternehmen ist darauf die falsche Antwort, denn es gibt keine staatliche Behörde, der man die Bonitätsprüfung für die auszureichenden Bürgschaften überlassen könnte. Die Kreditprüfung kann immer nur von den Banken selbst gemacht werden, die ihr eigenes Geld dabei riskieren.

Wie beurteilen Sie die Maßnahmen zur Stärkung der Automobilindustrie?

Ich halte die Abwrackprämie für pervers, weil sie Anreize setzt, ökonomische Werte zu vernichten. Es geht hier um Autos, die neun Jahre alt sind. Wo da die Ratio liegen soll, ist mir schleierhaft. Deutsche Autos sind nach neun Jahren noch lange keine Schrottkisten.

Hans-Werner Sinn (60) ist in Bake/Westfalen geboren und Chef des Ifo-Instituts in München.

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