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„Bankerboni sind unwichtig“

Interview mit Hans-Werner Sinn, Financial Times Deutschland, 23.09.2009, Nr. 183, S. 14

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, genießt internationalen Ruf. Sein Buch „Kasino-Kapitalismus“ entlarvt Schwächen des Finanzsystems.

FTD: Was ist das wichtigste Ziel des G20-Gipfels in Pittsburgh?

Hans-Werner Sinn: Eine internationale Aufsichtsbehörde für die Banken zu schaffen, die den nationalen Aufsichten übergeordnet ist. Der IWF könnte das leisten. In Europa müsste die EU oder die EZB mit entsprechenden Kompetenzen ausgestattet werden. FTD Konzentriert sich Berlin zu Recht auf die Begrenzung von Bankerboni?

Sinn: Das ist unwichtig. Das Problem sind ja nicht die Entlohnungssysteme der Banker, sondern der Aktionäre. Die Aktionäre wollen die riskanten Geschäftsmodelle, weil sie wissen, dass die Erträge ihnen gehören, während für die Verluste jemand anderes aufkommt. Man muss mehr Eigenkapital vorschreiben, damit die Aktionäre bei den riskanten Modellen mehr verlieren können und vorsichtigere Strategien bevorzugen. Die Vermutung, die Krise sei entstanden, weil die Manager, getrieben durch Bonussysteme, gegen das Interesse der Aktionäre gehandelt hätten, ist naiv und falsch.

FTD: Welche Exitstrategien empfehlen Sie für Geld- und Fiskalpolitik?

Sinn: Keine im Moment. Es wäre ein großer Fehler, jetzt schon auf die Schuldenbremse zu treten. Die Gefahren sind noch nicht überwunden.

FTD: Wie sollen die Ungleichgewichte im Außenhandel abgebaut werden?

Sinn: Die USA müssen sich vom American Dream verabschieden, indem sie ihren Leuten den Kredithahn zudrehen. Wir Deutschen müssen mehr im Inland investieren, anstatt unsere Maschinen auf Kredit an das Ausland zu verkaufen und uns dann über die Exportüberschüsse zu freuen.

Interview: Birgit Marschall

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