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Welche Jobs sind jetzt bedroht?

Interview mit Hans-Werner Sinn, Bild, 20.01.2008, Nr. 3, S. 5

Berlin – War Nokia erst der Anfang? Wie sicher sind die Arbeitsplätze in Deutschland? Für Wirtschaftsexperten steht fest: Dem Standort Deutschland stehen weitere Produktionsverlagerungen ins Ausland bevor!

Hans-Werner Sinn, Direktor des Münchner Ifo-Instituts, zu BILD am SONNTAG: „Generell müssen Industriearbeiter in allen Branchen langfristig um ihre Jobs fürchten.“ Der Grund: „Die Herstellung der Vorprodukte mit ihren vielen Arbeitsplätzen geht in Deutschland mehr und mehr verloren, alle Kraft konzentriert sich auf die Endstufen.“ Dort entstünden viele Jobs für Ingenieure und Manager, aber nicht mehr genug für die Arbeiter. „Wo überhaupt noch in Fabriken investiert wird, werden Werkhallen für Roboter statt für Menschen gebaut“, erklärt Sinn.

Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts: „Konsummassenartikel wie Schuhe, Kleider, günstige Fahrzeuge und einfache Elektrogeräte können in Deutschland nicht konkurrenzfähig hergestellt werden.“ Da hätten „die deutschen Beschäftigten keine Zukunft“. Straubhaar: „Für die gering qualifizierten Beschäftigten sieht es bitter aus. Selbst im Wirtschaftsaufschwung sind sie vom Arbeitsplatzverlust bedroht, weil die Jobs in Billiglohnländer abwandern.“

In der Herstellung von Kommunikationstechnik sank die Zahl der Beschäftigten von 80.000 im Jahr 2000 auf nur noch 57.500 in 2007. August-Wilhelm Scheer, Präsident des Branchenverbands Bitkom: „Wir befürchten, dass sich dieser Trend fortsetzt und weitere Arbeitsplätze in der Produktion von Kommunikationstechnik abgebaut werden.“ Das Dramatische sei: „Wenn die Herstellung ins Ausland verlagert wird, wandern im zweiten Schritt auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen ab.“

Auch auf dem Bau gehen Jobs verloren. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes erwartet in diesem Jahr ein Minus von 7.000 Arbeitsplätzen.

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