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„Wirkungslose Zuschüsse"

Interview mit Hans-Werner Sinn, Financial Times Deutschland, 20.07.2006, Nr. 139, S. 9

Der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, fordert seit Jahren eine großflächige Einführung von Kombilöhnen

FTD Wird die Regierung mit den aktuellen Vorschlägen zum Kombilohn die Arbeitslosigkeit senken?

Hans-Werner Sinn Nein, die nun geplanten Zuschüsse für Ältere werden keine neue Stellen schaffen. Die bezuschussten Älteren werden nicht bezuschusste Normalarbeitnehmer verdrängen. Das ist alles.

FTD Ist die Idee falsch, ältere Arbeitnehmer zu subventionieren?

Sinn Im Prinzip ist es richtig, Arbeitslosigkeit mit Lohnzuschüssen zu bekämpfen. Wenn man aber in allen Qualifikationsstufen stets nur Teilgruppen der Arbeitnehmer subventioniert, kommt nichts als ein Drehtüreffekt heraus. Um mehr Beschäftigung zu schaffen, müsste man alle subventionieren.

FTD Ist das nicht viel zu teuer?

Sinn So ist es. Deswegen muss man die Zuschüsse auf eine Qualifikationsschicht am Arbeitsmarkt beschränken, dort aber wiederum alle Arbeitnehmer bezuschussen. Ich glaube, dass eine Beschränkung auf den Markt der Geringverdiener und damit der gering Qualifizierten am weitesten führen würde. Die Arbeitsmärkte, auf denen diese Personen tätig werden, kann man flächendeckend bezuschussen, wenn man die Regelsätze des Arbeitslosengeldes II deutlich verringert und zum Ausgleich die Hinzuverdienstmöglichkeiten verbessert.

FTD Birgt das nicht auch finanzielle Risiken?

Sinn Das Ifo-Institut hat in einer umfassenden Studie vorgerechnet, dass der Staat bei der Aktivierenden Sozialhilfe, die dieser Grundidee folgt, sogar Geld sparen könnte. Die Aktivierende Sozialhilfe ist der bessere Kombilohn.

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