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„Aufschwung wird über 2007 hinaus anhalten"

Interview mit Hans-Werner Sinn, Abendzeitung, 30.06.2006, Nr. 148/26, S. 4

Chef des Ifo-Instituts ist optimistisch für die deutsche Konjunktur

MÜNCHEN Jean Claude Triebet wollte nichts sagen - jedenfalls nicht zu weiteren Zinserhöhungen. Der Chef der Europäischen Zentralbank war gestern zu Gast bei der Jahrestagung des Münchner Ifo-Instituts. Über seine Rede hinaus aber ließ sich der Franzose nichts zu den Zinsen entlocken.

In die Bresche sprang Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Er hält es für richtig, wenn die Notenbank „noch zwei, drei Mal die Zinsen erhöht". Hintergrund: Sinn rechnet mit kräftigem Wachstum in Deutschland. 2006 sollen es 1,8 Prozent, 20071,7 Prozent werden.

HANS-WERNER SINN: Vor allem der außerordentlich robuste Aufschwung der Weltwirtschaft. Eine ähnlich schwungvolle Entwicklung der Weltkonjunktur gab es zuletzt in den 70er Jahren. Davon profitiert die deutsche Wirtschaft - beim Export zunehmend aber auch in der Binnenwirtschaft. Der weltweite Aufschwung führt dazu, dass die deutschen Firmen wieder deutlich mehr investieren.

Schaden die Steuer- und Abgabenerhöhungen im nächsten Jahr der Konjunktur?

Sie werden die Konjunkturentwicklung beträchtlich dämpfen. Der Aufschwung ist aber stark genug, um diese Effekte auszugleichen. Ich glaube auch, dass, der Effekt „der Mehrwertsteuererhöhung auf den Konsum nicht so groß sein wird, wie von vielen befürchtet.

Warum?

Die Wirtschaft befindet sich in einem selbsttragenden Konjunkturaufschwung, der über das Jahr 2007 hinaus anhalten wird. Ohne die Mehrwertsteuererhöhung würde das Wachstum im nächsten Jahr um 0,4 Prozentpunkte höher ausfallen. Es bleibt aber auch so noch immer beachtlich.

Geht es dann auch am Arbeitsmarkt weiter bergauf?

Die Läge bessert sich allmählich. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wird in diesem und im nächsten Jahr endlich wieder steigen. Im Gegenzug sinkt die Arbeitslosenzahl - 2006 im Schnitt um 260 000, 2007 um 150 000. Man kann daher von einer konjunkturellen Trendwende am Jobmarkt sprechen. Nicht aber von einer strukturellen: Langfristig zeigt der Trend am Jobmarkt weiter nach unten.

Interview: aja

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