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“So werden Wunder am Arbeitsmarkt geschehen“

Interview mit Hans-Werner Sinn, Focus, 02.01.2006, 35

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn plädiert im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit für Kombilöhne

FOCUS: In diesem Jahr stehen einige wichtige Reformentscheidungen an, die langfristig auf das Wirtschaftswachstum wirken. Welche halten Sie für die wichtigste?

Sinn: Das Kombilohnmodell, das Frau Merkel in ihrer Regierungserklärung angekündigt hat. Die CDU hat das ifo-Modell eines Kombilohns ja bereits in ihr Parteiprogramm aufgenommen. Wir haben seit 35 Jahren einen Trend der steigenden Arbeitslosigkeit. Nur mit Kombilöhnen lässt er sich brechen. Allerdings braucht man mehr als nur Lippenbekenntnisse. Wenn das ifo-Modell der aktivierenden Sozialhilfe konsequent durchgezogen wird, könnte die Arbeitslosenzahl um 2,3 Millionen sinken.

FOCUS: Nach dem Prinzip: Nur wer arbeitet, kann sein Einkommen erhöhen, alle anderen Arbeitslosen stellen sich schlechter?

Sinn: Keiner muss auf ein niedrigeres Einkommensniveau. Zum einen gibt es Lohnzuschüsse, die es ohne Einkommensverlust ermöglichen, zu niedrigeren Löhnen zu arbeiten- und zu niedrigeren Löhnen gibt es Jobs. Zum anderen kann man sich, wenn man keine Stelle in der Privatwirtschaft findet, an die Kommune wenden. Die bezahlt das Arbeitslosengeld II in heutiger Höhe, wenn man dafür acht Stunden am Tag arbeitet. Die Kommune verleiht die Arbeit mit Hilfe von Zeitarbeitsfirmen dann weiter an die Privatwirtschaft. Der heutige Sozialstaat bezahlt Millionen von Menschen unter der Bedingung, dass sie nicht arbeiten, also fürs Wegbleiben. Bezahlt er sie stattdessen fürs Mitmachen, werden Wunder am Arbeitsmarkt geschehen.

FOCUS: Was kostet ihr Modell?

Sinn: Nichts: Gegenüber Hartz IV werden zirka 5 Milliarden Euro eingespart, weil die Kommunen Einnahmen aus dem Verleih von Arbeitskräften haben.

FOCUS: Sehen Sie Umsetzungschancen mit einem SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering?

Sinn: Ja, ich halte von Herrn Müntefering wirklich viel. Er hat angekündigt, dass er Hartz IV korrigieren wird. Warum nicht in diese Richtung? Die Umsetzung des Niedriglohnmodells muss dann ja nicht aktivierende Sozialhilfe heißen. Hartz V oder Münte I wären auch eine Möglichkeit.

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