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Auch andere Konzerne stehen vor Problemen

Interview mit Hans-Werner Sinn, Der Tagesspiegel, 16.10.2004,

Interview: Carsten Brönstrup

Professor Sinn, haben die Manager bei Opel und Karstadt versagt, oder ist der Standort Deutschland zu schlecht?

Karstadt-Quelle hätte früher auf die Konkurrenz des Internets reagieren müssen, keine Frage. Ebay ist ja ein mächtiger Wettbewerber der Kaufhäuser und des traditionellen Versandhandels. Und bei Opel mag es auch Fehler in der Modellpolitik gegeben haben. Aber das ist nicht alles – in erster Linie sind hier zu Lande die Kosten zu hoch.

Warum?

General Motors geht nach Schweden. Dort kostet eine Arbeitsstunde in der Autoindustrie 22 Euro, in Deutschland 27 Euro und mehr. Wenn wir unsere Wettbewerbsfähigkeit behalten wollen, müssen wir die Lohnkosten drücken.

Es stehen also noch weitere Unternehmen vor tief greifenden Krisen?

Ja, wenn nichts geschieht, werden Opel und Karstadt nicht die einzigen Konzerne bleiben, die in die Krise rutschen. Noch höhere Lohnkosten pro Stunde als Deutschland hat derzeit nur Norwegen. Früher, als es noch keine Globalisierung gab, noch keinen Euro, und als die Mauer noch stand, war das noch verkraftbar. Heute dagegen steht unser Land in einem scharfen Wettbewerb mit anderen, kostengünstigeren Standorten. Wenn Löhne und Nebenkosten zu hoch sind, kann auch das Management nicht viel machen.

Sind denn die Manager schuldlos an der Krise?

Das sind alles Profis. Nicht die Menschen sind das Problem, sondern die Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten müssen.

Wie wird Deutschland denn rasch wieder wettbewerbsfähig?

Wir müssen länger für das gleiche Geld, arbeiten, wir müssen die Lohnkonkurrenz des Sozialstaates in eine Lohnpartnerschaft umwandeln, wir müssen den Betrieben mehr Tarifautonomie geben und wir müssen beim Kündigungsschutz zurückrudern, wie es Dänemark vorgemacht hat. Außerdem muss der Staat seine Sozialleistungen abspecken und billiger werden. Alles dient dem Ziel, die Lohnkosten zu senken. Anders kommen wir auf keinen grünen Zweig. Natürlich müssen wir auch unser Bildungssystem überholen, um auch langfristig wieder in Fahrt zu kommen.

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