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ifo Spezialthema: Arbeitsnachfrage

Um produzieren zu können, fragen Unternehmen Arbeitskräfte nach. Die Höhe der Arbeitsnachfrage hängt von der Produktivität der verfügbaren Stellen und der Produktivität der Arbeitskräfte selbst ab. Die Produktivität der Stellen wird vom Stand der Technik, der Konkurrenz, den Kosten anderer Produktionsfaktoren und vielem mehr bestimmt, die Produktivität der Menschen von der Bildung, der Motivation und anderen Faktoren. Da Unternehmen nicht zur Beschäftigung von Arbeitnehmern gezwungen werden können, fragen sie nur jene Arbeitskräfte nach, deren Kosten unter der Produktivität auf den verfügbaren Arbeitsplätzen liegen bzw. ihr maximal gleich sind. Würden sie Arbeitnehmer einstellen, die teurer als das sind, was sie auf den jeweiligen Stellen zu leisten in der Lage sind, würden sie einen Verlust machen und sich verschlechtern. Da die Menge der rentabel zu bewirtschaftenden Arbeitsstellen offenkundig umso kleiner ist, je höher der Lohn ist, führen Lohnerhöhungen unter sonst gleichen Bedingungen zu einer Verringerung der Beschäftigung. Das Gesetz der Nachfrage, nach dem die absetzbare Menge eines Gutes mit wachsendem Preis fällt, macht vor dem Arbeitsmarkt nicht Halt.

Das Gesetz der Nachfrage wird in der öffentlichen Diskussion um die Einführung von Mindestlöhnen häufig vernachlässigt. Wunsch und Wirklichkeit werden verwechselt, wenn gesagt wird, man müsse den Mindestlohn einführen, damit ein jeder von seiner Hände Arbeit leben kann. Auch wenn ein solches Postulat spontan Zustimmung verdient, lässt es sich doch in der Marktwirtschaft nicht realisieren. Realisieren lässt sich demgegenüber nur das Postulat, dass jeder, der arbeiten will, arbeiten kann, und dann genug zum Leben hat. Dieses Postulat verlangt nicht, dass man das Geld zum Leben selbst verdienen muss. Wenn der Staat mit Lohnzuschüssen zu Hilfe kommen darf - eine Politik, der sich das ifo Institut seit langem verschrieben hat - lässt sich dieses Postulat füllen. Es ist aber unmöglich, es durch Mindestlöhne zu erfüllen.

Basistexte

  1. Thum, Marcel und Joachim Ragnitz, "Zur Einführung von Mindestlöhnen: Empirische Relevanz des Niedriglohnsektors", ifo Schnelldienst 60 (10), 2007, 33-35 | Details | PDF Download

  2. Sinn, Hans-Werner, Christian Holzner, Wolfgang Meister, Wolfgang Ochel und Martin Werding, Redesigning the welfare state : Germany's current agenda for an activating social assistance, Ifo Economic Policy, 1, Elgar, 2006, Bestellungen über / Order via Edward Elgar. | Details

  3. Sinn, Hans-Werner, "Was wir bei den Lohnkosten von den Amerikanern und den Holländern lernen können", in: Hans-Werner Sinn (2005): "Ist Deutschland noch zu retten?", Econ Verlag, 2005, 123-128, 141-142, Information | Details | PDF Download

Bücher und Zeitschriftenaufsätze

  1. Thum, Marcel und Joachim Ragnitz, "Zur Einführung von Mindestlöhnen: Empirische Relevanz des Niedriglohnsektors", ifo Schnelldienst 60 (10), 2007, 33-35 | Details | PDF Download

  2. Sinn, Hans-Werner, Christian Holzner, Wolfgang Meister, Wolfgang Ochel und Martin Werding, Redesigning the welfare state : Germany's current agenda for an activating social assistance, Ifo Economic Policy, 1, Elgar, 2006, Bestellungen über / Order via Edward Elgar. | Details

  3. Sinn, Hans-Werner, Christian Holzner, Wolfgang Meister, Wolfgang Ochel und Martin Werding, "Aktivierende Sozialhilfe 2006 - das Kombilohn-Modell des ifo Instituts", ifo Schnelldienst 59 (02), 2006, 06-27 | Details | PDF Download

  4. Sinn, Hans-Werner, "Was wir bei den Lohnkosten von den Amerikanern und den Holländern lernen können", in: Hans-Werner Sinn (2005): "Ist Deutschland noch zu retten?", Econ Verlag, 2005, 123-128, 141-142, Information | Details | PDF Download

  5. Sinn, Hans-Werner, Christian Holzner, Wolfgang Meister, Wolfgang Ochel und Martin Werding, "Aktivierende Sozialhilfe - Ein Weg zu mehr Beschäftigung und Wachstum", ifo Schnelldienst 55 (09), 2002, 03-52 | Details | PDF Download

  6. Munz, Sonja und Wolfgang Ochel, Fachkräftebedarf bei hoher Arbeitslosigkeit : Studie im Auftrag des Bundesministeriums des Inneren, Unabhängige Kommission "Zuwanderung", ifo Forschungsberichte 5, ifo Institut für Wirtschaftsforschung, 2001 | Details

Beiträge von ifo Forschungsprofessoren

Schöb, Ronnie (mit Andreas Knabe), "Subsidizing extra jobs: promoting employment by taming the unions", Oxford Economic Papers (first published online September 22, 2012 doi:10.1093/oep/gps040).

Schöb, Ronnie (mit Andreas Knabe), "Minimum wage incidence: the case for Germany", Finanzarchiv 65.2009, 403-441.

Weiterführende Literatur

Neumark, David und William Wascher (2007): Minimum Wages and Employment, IZA Discussion Paper No. 2570

Schneider, H., K.F. Zimmermann, H. Bonin, K. Brenke, J. Haisken-DeNew und W. Kempe (2002), Beschäftigungspotenziale einer dualen Förderstrategie im Niedriglohnbereich (Gutachten im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen), Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, mimeo, Bonn.

Riphahn, Regina, Anja Thalmaier und Klaus F. Zimmermann (1999), Schaffung von Arbeitsplätzen für Geringqualifizierte, Bonn.

Zimmermann, Klaus F. und Thomas Bauer (1997): “Integrating the East: The Labor Market Effects of Immigration”, in: S.W. Black (Hrsg.), Europe’s Economy Looks East – Implications for the EU and Germany, Cambridge UK, S. 269–306.

Nickell, S.J. und J. Symons (1990), The Real Wage – Employment Relationship in the United States, Journal of Labor Economics 8, S. 1–15.

Burgess, S.M. (1988), Employment Adjustment in UK Manufacturing, Economic Journal 98, S. 81–103.

Franz, W. und H. König (1986), The Nature and Causes of Unemployment in the Federal Republic of Germany since the 1970s: An Empirical Investigation, Empirica 53, S. 219–244.

ifo Standpunkte

  1. Hans-Werner Sinn, ifo Standpunkt Nr. 64: Warum Mindestlöhne Deutschland schaden | 15.04.2005 | ifo Standpunkt | Details

  2. Hans-Werner Sinn, ifo Standpunkt Nr. 61: Was muss passieren, um die Arbeitslosigkeit in Deutschland abzubauen? | 14.02.2005 | ifo Standpunkt | Details

  3. Hans-Werner Sinn, ifo Standpunkt Nr. 59: Warum die Arbeitszeitverlängerung mehr Jobs schafft | 18.11.2004 | ifo Standpunkt | Details

  4. Hans-Werner Sinn, ifo Standpunkt Nr. 51: Niedriglöhne, Lohnzuschüsse und Investivlöhne | 04.03.2004 | ifo Standpunkt | Details

  5. Hans-Werner Sinn, ifo Standpunkt Nr. 47: Länger arbeiten | 25.07.2003 | ifo Standpunkt | Details


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